Dachkunst & Meisterwerke

    Schieferdach: Kosten, Deckarten und Lebensdauer

    Ein Schieferdach kostet komplett neu gedeckt rund 150 bis 350 Euro pro Quadratmeter. Für ein typisches Einfamilienhaus mit etwa 100 m² Dachfläche sind das 15.000 bis 35.000 Euro. Dafür hält kaum eine andere Eindeckung so lange: Naturschiefer übersteht bei sauberer Verlegung 80 bis über 100 Jahre, oft ein ganzes Hausleben lang.

    Sauber gedecktes Schieferdach in Nahaufnahme, gleichmäßige Reihen aus grauen Schieferplatten mit Metallhaften vor blauem Himmel
    An den Rändern und in den Reihen zeigt sich, ob ein Schieferdach sauber gedeckt wurde.
    Das Wichtigste in Kürze
    • Komplett neu gedeckt: 150 bis 350 Euro pro m², für ein 100-m²-Dach rund 15.000 bis 35.000 Euro.
    • Die Deckart bestimmt Preis und Optik: Schuppendeckung ab ca. 70 Euro/m², die altdeutsche Deckung ist mit 150 bis 200 Euro/m² die aufwendigste.
    • Jede Deckart hat eine Regeldachneigung: Rechteck-Doppeldeckung ab 22°, Schuppen- und altdeutsche Deckung ab 25°.
    • Naturschiefer hält 80 bis über 100 Jahre, Faserzement (Kunstschiefer) rund 30 bis 50, dafür ist er leichter und günstiger.
    • Achtung bei alten Kunstschiefer-Dächern: In rund 13 Prozent der vorgelegten Angebote auf Handly geht es um Asbest.
    • Über die Lebensdauer entscheiden die Details: Neigung, Hinterlüftung, korrosionsfeste Haften und saubere Anschlüsse.

    Was kostet ein Schieferdach wirklich?

    Schiefer ist Naturstein und Handarbeit, das erklärt den Preis. Für das reine Material zahlen Sie je nach Qualität 30 bis 120 Euro pro Quadratmeter. Den größeren Teil macht die Verlegung aus: Jeder Stein wird einzeln zugerichtet und mit Haften befestigt, das kostet Zeit.

    30 bis 120 €/m²
    Naturschiefer, reines Material je nach Qualität.
    80 bis 180 €/m²
    Verlegung, je nach Deckart und Aufwand.
    150 bis 350 €/m²
    Komplettes Schieferdach, Material und Handwerk zusammen.
    Ein Rechenbeispiel macht es greifbar: Ein typisches Einfamilienhaus hat rund 100 m² Dachfläche. Bei 150 bis 350 Euro pro Quadratmeter landet die komplette Neudeckung damit zwischen 15.000 und 35.000 Euro. Zum Vergleich: ein Ziegeldach liegt komplett bei etwa 65 bis 150 Euro pro Quadratmeter.

    Nach oben treiben den Preis vor allem drei Dinge: die Deckart (dazu gleich mehr), die Komplexität des Daches (Gauben, Kehlen und Türmchen bedeuten mehr Zuschnitt) und die Qualität des Schiefers.

    Die Deckarten: von schlicht bis zur Hohen Schule

    Bevor es um Optik geht, entscheidet die Dachneigung. Jede Deckart hat eine Regeldachneigung, unter der sie ohne zusätzliches Unterdach nicht mehr regensicher ist. Erst danach kommen Wirkung und Budget.

    Rechteck-Doppeldeckung

    ab ca. 22°
    Gerade Reihen parallel zur Lattung, ruhig und wirtschaftlich. Der verbreitete Einstieg ins Schieferdach.

    Schuppendeckung

    ab ca. 25°
    Gleich große Schuppen in versetzten Reihen. Ergibt ein feines, gleichmäßiges Deckbild.

    Altdeutsche Deckung

    ab ca. 25°
    Decksteine von groß nach klein, teils erst auf dem Dach zugerichtet. Die aufwendigste und teuerste Variante, oft an Kirchen und Denkmälern.
    An der altdeutschen Deckung erkennt man den Meister: Jeder Stein sitzt dort, wo nur er passt.

    Naturschiefer oder Faserzement?

    Beide sehen dem Laien ähnlich, unterscheiden sich aber grundlegend. Naturschiefer ist gespaltener Stein, Faserzement (der klassische „Kunstschiefer") wird industriell aus Zement und Fasern gepresst.

    Naturschiefer
    80 bis 100+ Jahre

    Gespaltener Naturstein, jede Platte ein Unikat. In geschützter Lage über 100 Jahre haltbar, altert würdevoll. Dafür teurer und aufwendiger zu verarbeiten.

    Faserzement
    30 bis 50 Jahre

    Industriell gefertigter Faserzement, leichter und deutlich günstiger, gleichmäßig in Form und Farbe. Hält aber nur einen Bruchteil so lang.

    Faustregel: Wer einmal deckt und Ruhe für Generationen will, nimmt Naturschiefer. Wer die schiefertypische Optik zu kleinerem Budget sucht, für den ist Faserzement eine ehrliche Alternative.

    Vorsicht bei altem Kunstschiefer: das Asbest-Thema

    Wer ein altes Schieferdach vor sich hat, sollte genau hinsehen. Faserzementplatten (Kunstschiefer, oft unter dem Markennamen „Eternit") die vor 1993 verlegt wurden, können Asbest enthalten. Beim Abriss werden Fasern frei, deshalb gehört die Arbeit ausschließlich in Fachhände und muss vorher bei der Behörde angemeldet werden. Wie Sie Asbest erkennen und was die Entsorgung kostet, steht im Beitrag Asbest im Dach.

    In den Angeboten auf Handly taucht das Thema häufiger auf, als viele denken: In 12,9 Prozent aller vorgelegten Angebote geht es um Asbest, also in rund jedem achten. In 6,0 Prozent ist die Asbestarbeit als eigene, bepreiste Position ausgewiesen. Und 13 der 21 aktiven Dachdeckerbetriebe auf der Plattform hatten damit schon zu tun.

    Der Aufwand schlägt sich im Preis nieder. Für Abriss und Entsorgung asbesthaltiger Dachplatten liegen die Angebote in unseren Daten im Median bei rund 50 Euro pro Quadratmeter, zusätzlich zur eigentlichen Neudeckung, gemessen an 13 nach Fläche abgerechneten Positionen. Über das ganze Angebot gerechnet summieren sich die ausgewiesenen Asbestpositionen im Median auf rund 1.980 Euro (33 Angebote mit Betrag). Dazu kommen Gerüstschutz, Schutzausrüstung und die behördliche Anmeldung. Wie sich das zusammensetzt, steht im Beitrag zu Asbest im Dach.

    Praktisch heißt das: Finger weg vom eigenhändigen Abriss. Ein Fachbetrieb erkennt asbestverdächtige Platten, nimmt bei Bedarf eine Probe und entsorgt fachgerecht. Das kostet, schützt aber die Gesundheit und erspart ein Bußgeld.

    Zur Methodik: Grundlage sind 721 Angebote aktiver Betriebe auf der Handly-Plattform, die Kunden tatsächlich vorgelegt wurden, Stand Juli 2026, Entwürfe ausgeschlossen. In 93 davon wird Asbest im Namen oder in der Beschreibung einer Position genannt, in 43 trägt eine Position Asbest im Namen und ist eigens bepreist. Die Euro-Beträge beruhen auf den 33 dieser Angebote mit ausgewiesenem Betrag. Alle Angaben sind aggregiert, ohne Einzel- oder Betriebsdaten.

    Die Details, die über die Lebensdauer entscheiden

    Ein Schieferdach hält nicht wegen des Steins allein, sondern wegen allem, was darunter und daneben passiert.

    • Regeldachneigung einhalten. Wird sie unterschritten, braucht das Dach ein zusätzliches Unterdach, sonst dringt Schlagregen ein.
    • Ebene, hinterlüftete Unterkonstruktion. Die Holzschalung muss eben sein, die Hinterlüftung hält sie trocken.
    • Korrosionsfeste Haften und Nägel. Kupfer oder Edelstahl, alles andere rostet und löst sich lange vor dem Schiefer.
    • Saubere Anschlüsse an Kehle, Ortgang und First. Hier, an der Blecharbeit, trennt sich solide von meisterlicher Arbeit.

    Sichtbar wird gute Arbeit an den Rändern. Laufen die Reihen an Ortgang und First sauber aus und sind die Blechanschlüsse an Kehlen und Gauben passgenau eingebunden, bleibt das Dach dicht, wo günstige Deckungen zuerst undicht werden.

    Was ein Schieferdach an Pflege braucht

    Schiefer ist ausgesprochen pflegeleicht, ganz ohne Kontrolle geht es aber nicht. Zwei Dinge zählen: freie Wasserwege und ein regelmäßiger Blick nach Stürmen.

    • Einmal im Jahr Rinnen, Kehlen und First kontrollieren, am besten im Herbst.
    • Nach jedem schweren Sturm die dem Wind zugewandte Fläche prüfen: Sitzt jeder Stein, fehlt keine Haft?
    • Lose oder gebrochene Steine früh und systemtreu ersetzen, im gleichen Format und Farbton.
    • Moos und Laub aus Kehlen und Rinnen entfernen, damit das Wasser frei abläuft.

    Häufige Fragen

    Was der Text oben nicht beantwortet hat:

    Lohnt sich der Aufpreis gegenüber einem Ziegeldach?

    Über die Lebensdauer gerechnet oft ja. Ein Schieferdach hält zwei- bis dreimal so lang wie viele andere Eindeckungen, dafür ist die Anschaffung höher. Wer langfristig plant, verteilt die Kosten auf deutlich mehr Jahre.

    Kann man ein altes Schieferdach reparieren statt neu decken?

    Bei einzelnen gebrochenen Steinen oder gelösten Haften ja, das ist der Normalfall. Erst wenn die Holzschalung durchfeuchtet oder die Deckung großflächig mürbe ist, führt an einer Neudeckung kein Weg vorbei.

    Ist Schiefer für flache Dächer geeignet?

    Nur eingeschränkt. Unter der Regeldachneigung der jeweiligen Deckart (meist 22 bis 25°) steigt der Aufwand für Unterdach und Zusatzmaßnahmen stark, dann sind andere Eindeckungen oft sinnvoller.

    Muss die Asbestsanierung am Dach gemeldet werden?

    Ja. Arbeiten an asbesthaltigen Materialien sind nach der Gefahrstoffverordnung anzeige- und dokumentationspflichtig. Ein zugelassener Fachbetrieb übernimmt die Anmeldung bei der zuständigen Behörde und die fachgerechte Entsorgung, ein eigenhändiger Abriss ist nicht zulässig.

    Nächster Schritt

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    Thomas Krause
    • Handly: eigene Auswertung von 721 vorgelegten Angeboten aktiver Dachdeckerbetriebe (Entwürfe ausgeschlossen), Stand Juli 2026 (aggregiert, ohne Einzeldaten)
    • Rathscheck Schiefer: Regeldachneigungen der Deckarten
    • BauNetz Wissen: Schiefer, Deckungsarten
    • Meister-Job / MyHammer: Schieferdach Kosten 2026
    • Hausjournal: Schieferdach Lebensdauer