Technik & Handwerk

    Energetische Dachsanierung: was die Dämmung wirklich kostet

    Bei einer energetischen Dachsanierung macht die Dämmung selbst nur 16,8 Prozent der Rechnung aus. Der große Rest sind die Arbeiten drumherum: Ziegel abnehmen, neue Latten, Gerüst, Dachrinne, neu decken. Die eigentliche Entscheidung fällt deshalb an einer anderen Stelle. Sie lautet: Kommt die Dämmung oben auf die Dachbalken oder in die Lücken dazwischen? Von dieser einen Frage hängen bei einem normalen Einfamilienhaus rund 4.500 Euro Förderung ab.

    Offenes Steildach im Umbau: auf den schrägen Dachbalken liegen verlegte Hartschaum-Dämmplatten, darüber die aufgeschraubten Latten, im Hintergrund ein Fachwerkhaus
    Die Dämmplatten liegen hier oben auf den Balken, als geschlossene Schicht. Dafür muss das Dach abgedeckt und danach neu gedeckt werden.
    Das Wichtigste in Kürze
    • Die Dämmung ist nicht der teure Teil. In echten Angeboten ist sie einer von 33 Posten und macht 16,8 Prozent der Summe aus. Teuer sind Gerüst, Abdecken und Neudecken.
    • Zwei Bauweisen sind möglich: Die Dämmung liegt oben auf den Dachbalken (7.751 Euro) oder in den Lücken dazwischen (3.592 Euro). Grundlage: 208 Angebote von 18 Betrieben, bei fast gleich großen Dächern.
    • Die günstigere Bauweise schließt die Förderung praktisch aus. Sie erreicht den Dämmwert, den der Staat verlangt, nur mit einer Dämmschicht, die dicker ist als die Balken hoch sind.
    • Deshalb ist die teurere Bauweise unter dem Strich die günstigere. Sie kostet rund 4.200 Euro mehr und macht 4.500 Euro Zuschuss erst möglich.
    • Das Material können Sie nicht frei wählen. Welche Bauweise Sie nehmen, entscheidet, welcher Dämmstoff hineinkommt. In unseren Angeboten gibt es davon keine einzige Ausnahme.
    • Wer vermietet, darf 8 Prozent der Kosten auf die Jahresmiete umlegen. Aber der Zuschuss vom Staat kürzt genau diesen Betrag.

    Wie viel von der Rechnung ist die Dämmung?

    Wer im Netz nach dem Preis einer Dachdämmung sucht, findet Angaben zwischen 60 und 350 Euro je Quadratmeter. Für ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern Dachfläche wären das 7.200 bis 42.000 Euro. Eine Spanne, mit der niemand planen kann, und obendrein eine, die etwas anderes meint, als der Leser vermutet.

    Denn ein Dachdecker schreibt kein Angebot über „eine Dämmung“. Er schreibt eine Liste von Arbeiten, meist gut 30 einzelne Zeilen: Gerüst aufstellen, alte Ziegel abnehmen, Latten erneuern, Folie verlegen, dämmen, neu decken, Dachrinne anschließen, Gerüst abbauen. Die Dämmung ist eine dieser Zeilen. In den Angeboten, die wir ausgewertet haben, ist es die Zeile mit 16,8 Prozent der Summe.

    56.849
    kostet ein typisches Angebot mit Dachdämmung insgesamt, ohne Mehrwertsteuer.
    33 Zeilen
    umfasst so ein Angebot im Median.
    16,8 %
    davon ist die Dämmung selbst.
    Oft gehört

    „Eine Dachdämmung kostet 18.000 bis 42.000 Euro, sie ist der teuerste Posten am Dach.“

    Was unsere Daten zeigen

    Die Dämmung ist eine von 33 Zeilen im Angebot und macht 16,8 Prozent der Summe aus. Teuer ist, was sie nach sich zieht: In 99 Prozent dieser Angebote wird das Dach neu gedeckt, in 85 Prozent steht ein Gerüst. Beide Zahlen stimmen, sie messen nur nicht dasselbe.

    Das klingt nach einer Feinheit, entscheidet aber, wo Sie beim Angebot nachfragen. Wer 40.000 Euro liest und die Dämmung dafür verantwortlich macht, verhandelt über einen Posten, der ein Sechstel der Summe ausmacht. Was ein komplettes Dach kostet und wie sich das nach Dachgröße staffelt, steht im Beitrag zu den Kosten einer Dachsanierung.

    Zur Methodik: Wir haben 1.104 Angebote ausgewertet, die 21 Dachdeckerbetriebe ihren Kunden tatsächlich vorgelegt haben, Stand 27. August 2026. In 208 dieser Angebote, verteilt auf 18 Betriebe, steht eine Zeile, die ausdrücklich die Dämmung des Steildachs benennt. Nicht mitgezählt haben wir Entwürfe, die nie beim Kunden lagen, Zeilen für Abbruch und Entsorgung sowie die Dämmung von Gauben und Flachdächern, weil das eigene Bauteile mit eigenen Regeln sind. Alle Beträge sind ohne Mehrwertsteuer, zusammengefasst und ohne Namen.

    Auf die Balken oder dazwischen? Die Entscheidung, um die es geht

    Ein Steildach wird von schrägen Balken getragen. Sie laufen vom höchsten Punkt des Dachs hinunter zur Dachkante. Im Handwerk heißen sie Sparren. Und daraus ergeben sich genau zwei Stellen, an die eine Dämmung kann.

    Oben drauf
    Aufsparren

    Die Aufsparrendämmung liegt als geschlossene Schicht über den Balken, unter den Ziegeln. Man arbeitet von außen, das Dach muss dafür abgedeckt und neu gedeckt werden. Der Vorteil: Kein Balken unterbricht die Dämmung, und im Dachzimmer bleibt jeder Zentimeter Platz.

    In die Lücken
    Zwischensparren

    Die Zwischensparrendämmung wird in die Lücken zwischen die Balken gepackt, meist vom Dachboden aus. Der Vorteil: Man kommt ohne Gerüst und ohne Abdecken hin. Der Nachteil: Dicker als die Balken hoch sind geht nicht, und das Holz durchbricht die Dämmschicht.

    So oft kommen die beiden Bauweisen in den Angeboten vor, und so weit liegen sie preislich auseinander:

    Auf den BalkenIn den Lücken
    Angebote162152von 1.104
    Betriebe1715von 21
    Preis7.751 €3.592 €ohne MwSt.
    Preisspanne5.828 bis 11.367 €2.188 bis 5.909 €mittlere Hälfte
    Dachfläche150 m²140 m²Median

    Die Dämmung auf den Balken kostet also gut das Doppelte, rund 4.200 Euro mehr. Der Vergleich ist belastbar, weil die Dächer mit 150 gegen 140 Quadratmetern fast gleich groß sind. Es sind dieselben Häuser, nur anders gedämmt. Alle Preise sind der Median: Die eine Hälfte der Angebote liegt darunter, die andere darüber. Gerechnet haben wir sie aus 150 Angeboten für die Dämmung auf den Balken und 130 für die Dämmung in den Lücken, wobei 117 beziehungsweise 93 davon einen anderen Betrag nennen. In den übrigen steckt der Preis in der Stundenlohn-Kalkulation und nicht in einem Einzelpreis. Es ist also kein Preis aus einer Liste, sondern jedes Mal neu gerechnet.

    Ein Angebot nennt den Preis vor der Arbeit, eine Rechnung den nach der Arbeit. Zwischen beiden kann etwas liegen, denn manches zeigt sich erst, wenn das Dach offen ist: ein morscher Balken, eine zweite Lage alter Ziegel, ein Schornstein, der neu angeschlossen werden muss. Deshalb haben wir dieselbe Frage noch einmal an gestellten Rechnungen geprüft. In 54 Rechnungen von 12 Betrieben liegt die Dämmung auf den Balken bei 7.838 Euro, in 48 Rechnungen von 14 Betrieben die Dämmung in den Lücken bei 3.592 Euro.

    Angebot und Rechnung liegen also praktisch gleich. Für Sie ist das die wichtigere Nachricht als die Zahl selbst: Was für die Dämmung im Angebot steht, wird am Ende auch abgerechnet. Wo Angebote in der Praxis überzogen werden, ist es meist nicht die Dämmung, sondern das, was beim geöffneten Dach zum Vorschein kommt.

    Sie haben ein Angebot vorliegen und wollen wissen, wo die Dämmung darin steht? Im Dach-Check beschreiben Sie Ihr Dach in wenigen Schritten und erhalten Vergleichsangebote von Fachbetrieben aus Ihrer Region.
    Oft gehört

    „Man legt sich vorher auf eine Bauweise fest und fragt dann Angebote dafür an.“

    Was unsere Daten zeigen

    In 106 von 208 Angeboten stehen beide Bauweisen drin, aus 12 Betrieben. Der Dachdecker legt die Wahl vor, statt sie vorwegzunehmen. Wer sich vorher festlegt, verhandelt gegen ein Angebot, das ihm die Alternative sowieso gezeigt hätte.

    Warum Sie den Dämmstoff nicht aussuchen können

    In Prospekten klingt die Materialwahl nach Geschmackssache: Hartschaum, Mineralwolle oder ein Naturdämmstoff wie Holzfaser. In echten Angeboten ist sie das nicht. Sobald die Bauweise feststeht, steht auch das Material fest. In unseren Daten gibt es davon keine einzige Ausnahme.

    • Oben auf den Balken liegt Hartschaum. In 114 von 172 Zeilen ist es PIR, in weiteren 46 Holzfaser. Mineralwolle kommt dort kein einziges Mal vor. Der Grund ist einfach: Auf dieser Schicht liegen Latten, Ziegel und der Dachdecker. Weiche Wolle würde zusammengedrückt und dämmt dann nicht mehr.
    • In den Lücken liegt Mineralwolle. In 116 von 153 Zeilen, dazu 31 Mal Holzfaser und 11 Mal Zellulose, also aufbereitete Papierfasern, die als Flocken in die Lücken geblasen werden. Hartschaum kommt dort kein einziges Mal vor. Hier zählt nicht Festigkeit, sondern dass sich das Material an krumme alte Balken anlegt und keine Luftspalte lässt.
    • Holzfaser wird angeboten, aber selten kalkuliert. Von 47 Zeilen, die ein Betrieb ausdrücklich als „optionale Alternative“ dazugelegt hat, sind 45 aus Holzfaser. Diese Zahl kommt allerdings aus nur sechs Betrieben und ist damit dünn belegt. Sie beschreibt, wie diese Betriebe anbieten, nicht wie die Branche arbeitet.

    Für Sie heißt das: Wenn Ihnen jemand Holzfaser oder einen anderen Naturdämmstoff anbietet, ist das ein echtes Angebot und keine Verlegenheitslösung. Es steht in unseren Daten aber meistens als zweite Zeile neben der ersten, nicht an ihrer Stelle. Fragen Sie nach dem Preisunterschied, er steht selten von sich aus im Angebot.

    Die Zahl, an der die Förderung hängt

    Bis hierher ist die Dämmung in den Lücken der günstigere Weg, und zwar um mehr als 4.000 Euro. Jetzt kommt die Wendung. Denn wer Fördergeld will, muss einen bestimmten Dämmwert erreichen, und der lässt sich nicht verhandeln.

    Gemessen wird das mit dem U-Wert. Er sagt, wie viel Wärme durch das Dach nach draußen verschwindet, und je kleiner die Zahl, desto besser. Es gibt zwei Schwellen, und die liegen weit auseinander. Wird das Dach neu gedeckt, verlangt das Gesetz als Pflicht 0,24. Wer den staatlichen Zuschuss haben will, muss 0,14 erreichen, also fast doppelt so gut dämmen. In der Tabelle stehen diese beiden Fälle als „Pflicht“ und „Zuschuss“.

    Wie dick die Dämmung dafür sein muss, hängt am Material. Jeder Dämmstoff trägt seine Dämmleistung als Kennzahl im Namen, die Wärmeleitgruppe. Und hier sind unsere Daten eindeutig: Die Betriebe rechnen oben auf den Balken fast immer mit WLS 023, belegt in 82 Angeboten aus 13 Betrieben, in den Lücken mit WLG 035, belegt in 69 Angeboten aus 12 Betrieben. Die beiden Gruppen überschneiden sich nicht ein einziges Mal.

    ZielHartschaum (WLS 023)Mineralwolle (WLG 035)verlangt
    Pflicht92 mm140 mmU 0,24
    Zuschuss160 mm244 mmU 0,14
    244 Millimeter Mineralwolle sind dicker als ein alter Dachbalken hoch ist. Genau daran scheitert die Förderung, nicht am Willen des Hausbesitzers.

    Und damit ist die Rechnung entschieden. Dachbalken in Altbauten sind typisch 100 bis 140 Millimeter hoch. Für die gesetzliche Pflicht reicht das aus. Für den Zuschuss reicht es nicht, denn mehr Dämmung passt zwischen die Balken nicht hinein. Der naheliegende Ausweg wäre, die Balken aufzudoppeln, also ein zweites Stück Holz aufzuschrauben. Genau das empfehlen viele Ratgeber. In unseren Angeboten kommt es in 4 Prozent der Fälle vor. Was die Betriebe stattdessen tun, ist die Dämmung nach oben auf die Balken zu legen.

    Die Rechnung, auf die es hinausläuft: Die Dämmung auf den Balken kostet rund 4.200 Euro mehr. Sie macht aber den Zuschuss von 15 Prozent überhaupt erst möglich, und der ist auf 4.500 Euro begrenzt. Der teurere Weg kostet Sie unter dem Strich also nichts und dämmt dauerhaft besser. Welcher Fördertopf sich wann lohnt und warum der Steuerbonus oft mehr bringt als der Zuschuss, steht im Beitrag zur Förderung der Dachdämmung.

    Zwei Dinge zur Einordnung, damit die Zahlen richtig gelesen werden. Die Millimeterangaben oben sind gerechnet, nicht gemessen: Sie folgen aus der Wärmeleitgruppe nach der Norm DIN EN ISO 6946, für eine gleichmäßige Fläche. Bei der Dämmung in den Lücken unterbrechen die Balken die Schicht, dort ist der wirkliche Wert also noch etwas schlechter als die Rechnung. Und wie dick die Betriebe tatsächlich dämmen, sagen wir bewusst nicht: In den Angeboten widersprechen sich Materialangabe und Beschreibung derselben Zeile zu oft, um daraus eine ehrliche Zahl zu machen.

    Was in einem gedämmten Dach übereinanderliegt

    Ein Dach ist kein Deckel, sondern ein Stapel aus Schichten, und jede hat eine Aufgabe, die keine andere übernimmt. Zwei davon werden regelmäßig unterschätzt. Die Konterlattung schafft den Luftspalt, in dem Feuchtigkeit abtrocknen kann. Die Dampfbremse hält die Feuchtigkeit der Raumluft davon ab, von unten in die Dämmung zu ziehen. Fehlt eine der beiden, wird die teuerste Dämmung nass und nutzlos. So oft steht jede Schicht in den 162 Angeboten mit Dämmung auf den Balken, aus 17 Betrieben:

    Dachziegel

    99 %
    Hält Regen, Schnee und Hagel ab. Sie dämmt nicht, sie schützt.

    Traglatten

    97 %
    Die Latten, auf denen die Ziegel einhängen. Liegen quer zum Dachgefälle.

    Konterlatten

    93 %
    Liegen längs darunter und heben die Traglatten an. Erst dadurch entsteht der Luftspalt, in dem Nässe abtrocknet.

    Gerüst

    85 %
    Keine Schicht, aber in fast jedem Angebot. Ein wesentlicher Grund für die hohen Summen, die im Netz zu lesen sind.

    Dachrinne und Fallrohr

    81 %
    Wird bei offenem Dach fast immer mit erneuert, weil das Gerüst schon steht.

    Dampfbremse

    80 %
    Die Folie auf der Zimmerseite. Ohne sie zieht Raumfeuchte in die Dämmung und wird dort zu Wasser.

    Unterdeckbahn

    60 %
    Eine zweite wasserführende Ebene unter den Ziegeln. Bei Hartschaumplatten ist sie oft schon werkseitig aufgeklebt, daher der niedrigere Wert.

    Holzschalung

    27 %
    Bretter oder Platten auf den Balken. Nur bei bestimmten Aufbauten nötig.

    Diese Liste sagt noch etwas über die zweite Bauweise, und es widerspricht ihrem Ruf. Die Dämmung in den Lücken gilt als der Weg, der von innen geht, ohne das Dach anzufassen. In den 46 Angeboten, die ausschließlich diese Bauweise enthalten, wird das Dach trotzdem in 85 Prozent der Fälle neu gedeckt, und in 83 Prozent steht ein Gerüst. Eine Innenverkleidung, wie sie bei echter Arbeit von innen anfallen müsste, kommt in nur 2 Prozent vor.

    Der Grund dafür ist gleichzeitig der praktische Rat, der aus diesem Artikel folgt. Niemand dämmt sein Dach, weil ihm die Dämmung einfällt. Er dämmt, weil die Ziegel ohnehin herunter müssen. Und wenn das Gerüst schon steht und das Dach schon offen ist, ist der Aufpreis für die bessere Bauweise am kleinsten, den es je geben wird.

    Der teuerste Fehler bei diesem Thema ist die Reihenfolge: erst neu decken, ein paar Jahre später dämmen. Dann fallen Gerüst und Deckung zweimal an, und beim zweiten Mal muss das gerade bezahlte Dach wieder herunter.

    Für Vermieter: was auf die Miete darf und was der Zuschuss kostet

    Wenn das Dach über einer Mietwohnung sitzt, gilt zusätzlich Mietrecht, und die Regeln sind für Vermieter günstiger, als viele annehmen. Eine energetische Dachsanierung ist eine Modernisierung. Über die Modernisierungsumlage nach § 559 BGB darf die Jahresmiete um 8 Prozent der aufgewendeten Kosten steigen, dauerhaft und ohne Rücksicht auf den örtlichen Mietspiegel. Begrenzt ist das durch § 559 Abs. 3a BGB: Innerhalb von sechs Jahren darf die Monatsmiete um höchstens 3 Euro je Quadratmeter wachsen, bei einer Ausgangsmiete unter 7 Euro nur um 2 Euro.

    Der Punkt, den fast alle übersehen: Nach § 559a Abs. 1 BGB dürfen Kosten, die ein öffentlicher Zuschuss gedeckt hat, nicht auf die Miete umgelegt werden. Wer den Zuschuss nimmt, darf also weniger weitergeben. Bei einem zinsverbilligten Förderdarlehen wird stattdessen die jährliche Zinsersparnis abgezogen, § 559a Abs. 2 BGB.

    Was das ausmacht, zeigt eine Rechnung an einem Dach für 40.000 Euro und einer Wohnung mit 100 Quadratmetern. Ohne Zuschuss sind 8 Prozent von 40.000 Euro umlegbar, also 3.200 Euro im Jahr oder 2,67 Euro je Quadratmeter im Monat. Mit dem auf 4.500 Euro begrenzten Zuschuss bleiben 35.500 Euro umlegbar, das sind 2.840 Euro im Jahr oder 2,37 Euro. Der Zuschuss kostet also 360 Euro Mieteinnahme im Jahr und bringt 4.500 Euro sofort. Beide Werte bleiben unter der Grenze von 3 Euro je Quadratmeter.

    Und was heißt das nun einfach? Nehmen Sie den Zuschuss, haben Sie 4.500 Euro sofort auf dem Konto und dürfen dafür dauerhaft 30 Euro im Monat weniger Miete verlangen. Verzichten Sie auf ihn, ist es umgekehrt. Nach etwa zwölf Jahren ist der Zuschuss damit aufgebraucht. Die Entscheidung hängt also nur an einer Frage: Wie lange wollen Sie die Wohnung behalten? Bei mehr als zwölf Jahren bringt die höhere Miete am Ende mehr. Wollen Sie früher verkaufen oder brauchen Sie das Geld jetzt für die Baustelle, nehmen Sie den Zuschuss.

    Zwei Pflichten kommen dazu. Die Arbeiten müssen dem Mieter nach § 555c BGB spätestens drei Monate vorher angekündigt werden, und zwar in Textform, wofür eine E-Mail genügt. Hinein gehören Art und Umfang der Arbeiten, der voraussichtliche Beginn und die Dauer sowie der Betrag der zu erwartenden Mieterhöhung. Fehlt eines davon, ist die Mieterhöhung angreifbar. Und der Steuerbonus für Sanierungen steht Vermietern nicht offen, er gilt nur für Häuser, in denen der Eigentümer selbst wohnt. Vermieter setzen die Kosten stattdessen bei der Steuer als Ausgabe an, was eine Frage für die Steuerberatung ist und nicht für den Dachdecker.

    Wann Sie dämmen müssen und wann es sich lohnt

    Eine Pflicht, das Dach einfach so zu dämmen, gibt es nicht. Sie entsteht erst, wenn Sie ohnehin bauen. Das Gebäudemodernisierungsgesetz verlangt in Anlage 7 zu § 36 einen U-Wert von 0,24 für Schrägdächer, sobald mehr als 10 Prozent der Dachfläche erneuert werden. Wer neu deckt, dämmt also mit. Für Flachdächer gilt der strengere Wert 0,20, und der hängt an der Abdichtung, nicht an der Dachform. Die Einzelheiten dazu stehen im Beitrag zum Flachdach.

    Ob sich die Arbeit lohnt, hängt weniger am Dach als an Ihrer Lage. Diese fünf Fälle deckt unsere Auswertung ab:

    • Die Ziegel müssen sowieso herunter. Dann ist die Dämmung auf den Balken der günstigste Moment, den es gibt, weil Gerüst und Deckung ohnehin bezahlt werden.
    • Das Dachgeschoss ist ausgebaut und bewohnt. Dann arbeiten Sie von außen. Bei der Dämmung in den Lücken müsste die Innenverkleidung herunter und das Zimmer geräumt werden.
    • Der Dachboden ist kalt und bleibt es. Dann dämmen Sie stattdessen die Decke darunter. Das ist deutlich billiger, weil weder Gerüst noch Ziegel angefasst werden, und der Staat verlangt dafür denselben U-Wert von 0,14.
    • Photovoltaik ist geplant. Dann gehört das Dach vorher in Ordnung gebracht, nicht nachher. Eine Anlage abzubauen, um darunter zu arbeiten, ist teurer als jede Dämmung.
    • Die Balken sind niedrig und das Dach ist dicht. Dann ist die Dämmung in den Lücken möglich, die Förderung dafür aber wahrscheinlich nicht zu erreichen.

    Zum letzten Punkt noch ein Hinweis, der nichts mit Geld zu tun hat, aber eine Pflicht ist, die viele nicht kennen. Wer die Arbeiten in Auftrag gibt, muss dem Betrieb sagen, was er über sein Haus weiß. Nach § 5a der Gefahrstoffverordnung gilt das ausdrücklich auch für private Hausbesitzer: Sie müssen die Unterlagen durchsehen, die Ihnen ohne großen Aufwand zugänglich sind, und weitergeben, was darin über verbaute Stoffe steht. Beim Alter des Hauses genügt meist die Jahreszahl, nur bei Baujahren von 1993 bis 1996 zählt das genaue Datum, weil damals noch Restbestände verarbeitet wurden. Das ist keine Formalie, sondern der Grund, warum in einem Angebot plötzlich eine Zeile für Entsorgung auftaucht. Was in diesem Fall gilt, steht im Beitrag zu Asbest im Dach. Und wenn als Nächstes die Photovoltaik ansteht, lohnt der Blick auf die richtige Reihenfolge von Sanierung und Anlage.

    Häufige Fragen

    Was der Text oben nicht beantwortet hat:

    Kann man beide Bauweisen kombinieren?

    Ja, und technisch ist das der beste Weg. Die geschlossene Schicht oben deckt die Balken ab, durch die sonst Wärme entweicht, und die Lücken sind trotzdem gefüllt. Damit erreicht man den Förderwert auch bei niedrigen Balken. In unseren Angeboten stehen zwar in 106 von 208 Fällen beide Bauweisen, meistens aber als Alternative zur Auswahl und nicht als Kombination. Fragen Sie danach, wenn Ihre Balken niedrig sind.

    Zählt die Dämmung der Dachbodendecke auch als Dachdämmung?

    Für die Förderung ja, sie verlangt dort denselben U-Wert von 0,14. Sie ist deutlich billiger, weil kein Gerüst gestellt und kein Ziegel angefasst wird. Sie kommt aber nur infrage, wenn der Dachboden unbeheizt bleibt und Sie ihn auch künftig nicht ausbauen wollen. In unseren Angeboten steht sie nur sieben Mal, verteilt auf fünf Betriebe, das ist zu selten für eine belastbare Kostenzahl.

    Wie lange ist das Dach offen?

    Für ein Einfamilienhaus mit rund 150 Quadratmetern Dachfläche sind zwei bis vier Wochen üblich, wenn von außen gearbeitet wird. Nicht alles davon ist offenes Dach: Gedeckt wird abschnittsweise, und jeder Abschnitt wird abends provisorisch dicht gemacht. Der Zeitplan hängt am Wetter und am Gerüst, weniger an der Dämmung selbst.

    Muss das ganze Dach gedämmt werden?

    Für die gesetzliche Pflicht zählt die Schwelle von mehr als 10 Prozent erneuerter Dachfläche. Wer weniger anfasst, etwa nur eine Dachseite reparieren lässt, muss nicht dämmen. Für die Förderung dagegen zählt die Fläche, die Sie dämmen: Dort muss der U-Wert von 0,14 erreicht und von einem Sachverständigen bestätigt werden.

    Lohnt sich Dämmen, wenn das Dach noch dicht ist?

    Als eigenständige Maßnahme meist nicht, weil Gerüst und Neudeckung den größeren Teil der Kosten tragen und bei einem dichten Dach ohne Not anfallen würden. Der übliche und günstigste Zeitpunkt ist der, an dem die Ziegel ohnehin herunter müssen. Ist Ihr Dachboden unbeheizt, ist die Dämmung der Decke darunter der Weg, der sich auch ohne Anlass rechnet.

    Nächster Schritt

    Auf die Balken oder dazwischen?

    Welche Bauweise bei Ihnen möglich ist, entscheidet sich an drei Dingen: wie hoch Ihre Dachbalken sind, in welchem Zustand die Ziegel sind und ob unter dem Dach jemand wohnt. Ein Fachbetrieb sieht das am Dach in einer halben Stunde.

    Dach prüfen lassen