Drei Dinge, die in den üblichen Ratgebern fehlen: Wühlspuren in der Dämmung gelten rechtlich nicht als Bissschaden, daran scheitern die meisten Schadensmeldungen. Der Marder sucht keine Lücke, er hebt Dachsteine an. Und das Töten ist an einen Jagdschein gebunden, das Einfangen je nach Bundesland nicht.
Was ein Marderschaden am Dach kostet
Die Frage steht meist nachts im Raum, kurz nach dem ersten Poltern über der Decke. Wer dann sucht, findet vor allem Warnungen und Abwehrgeräte. Mit den Abrechnungen von Dachdeckerbetrieben hat dieser Eindruck wenig zu tun.
Marderschäden am Dach sind ein weit verbreitetes Problem und ruinieren schnell die halbe Dachkonstruktion.
Marderarbeit kommt in 3 von 164 abgerechneten Rechnungen und in 2 von 774 vorgelegten Angeboten überhaupt vor. Und wenn sie anfällt, ist es eine gewöhnliche Dachreparatur: Deren Median liegt bei 992 Euro brutto, 52 Prozent aller Aufträge blieben unter 1.000 Euro. Grundlage sind 33 abgerechnete Reparaturaufträge aus 11 Betrieben.
Für den Marderschaden selbst nennt der ADAC im Durchschnitt 450 bis 500 Euro je Schadensfall. Was eine Dachreparatur allgemein kostet, zeigen unsere eigenen Abrechnungen:
Diese Werte umfassen alle Reparaturanlässe, nicht nur Marderschäden. Genau das ist die Aussage: Ein Marder löst keine besondere Art von Arbeit aus, sondern gewöhnliche Dachreparatur.
Was den Preis bestimmt, ist nicht das Tier, sondern der Zeitpunkt. Solange nur die Dämmung zerwühlt ist, bleibt es eine kleine Arbeit. Sobald die Unterdeckbahn offen ist, läuft Regen in die Konstruktion, und ab da wird gerechnet wie bei einem Wasserschaden. Der ADAC nennt dafür einen Einstieg ab 2.500 Euro.
Überschlagen lässt sich der eigene Fall über die Fläche: Für einen Quadratmeter Dämmung inklusive Arbeit rechnet der ADAC mit rund 100 Euro. Ein zerwühltes Nest kostet damit ein paar hundert Euro, eine großflächig durchnässte Dämmung mehrere tausend. Sind Kabel betroffen, beginnt es bei 1.500 Euro.
Woran Sie den Marder erkennen, bevor es teuer wird
Der Marder verrät sich, lange bevor der Schaden sichtbar ist. Die Zeichen sind eindeutig, sie werden nur häufig falsch zugeordnet: Wer nachts etwas über der Decke hört, denkt zuerst an Mäuse, Ratten oder einen Siebenschläfer.
- Poltern und Trippeln nach Einbruch der Dunkelheit, häufig zwischen 22 und 3 Uhr, und besonders laut in der Ranzzeit von Juni bis August. Ein Marder klingt schwer, ein Siebenschläfer trippelt leichter.
- Angehobene oder verschobene Dachziegel, meist an der Traufe und am Ortgang. Von der Straße aus als kleine Unregelmäßigkeit in der Reihe sichtbar.
- Dämmwolle, die aus der Traufe hängt oder auf dem Dachboden verteilt liegt. Das Nest wird gebaut, indem Material herausgezogen wird.
- Kot, Urin und Beutereste mit deutlichem Geruch, oft an einer festen Stelle in der Nähe des Nests.
- Fliegen im Sommer auf dem Dachboden, wo vorher keine waren. Sie zeigen Beutereste an.
- Feuchte Flecken an der Dachschräge von innen. Wenn die auftreten, ist die Unterdeckbahn schon offen, und es ist der teure Fall.
Welche Arbeiten am Dach tatsächlich anfallen
Ein Marderschaden wird nicht als Marderschaden repariert, sondern in gewöhnlichen Dachdecker-Arbeitsschritten. Das erklärt, warum die Rechnungen so unterschiedlich ausfallen: Es hängt davon ab, wie viele Schichten betroffen sind.
Am Anfang steht fast immer eine Sichtprüfung, nicht die Reparatur. Der Dachdecker kontrolliert Dachfläche und Unterdeckbahn im zugänglichen Bereich und verklebt kleine Risse gleich. Erst dabei zeigt sich, ob es dabei bleibt oder ob Dämmung und Bahnen auf größerer Fläche heraus müssen.
Betriebe stellen die Prüfung deshalb unter den ausdrücklichen Vorbehalt, dass weitergehende Arbeiten ein eigenes Angebot bekommen. Einen Festpreis für die gesamte Behebung, bevor jemand oben war, kann seriös niemand nennen.
| Arbeitsschritt | Wann er nötig wird | Wer ihn macht |
|---|---|---|
| Sichtprüfung von Dachfläche und Unterdeckbahn, kleine Risse verkleben | immer als erster Schritt, meist unter Angebotsvorbehalt | Dachdecker |
| Nest, Marderkot und Beutereste entfernen, Fläche reinigen | immer, wegen Geruch und Nachmietern | Dachdecker oder Fachreiniger |
| Zugänge suchen und dauerhaft verschließen | immer, sonst kommt das Tier zurück | Dachdecker, teils Schädlingsbekämpfer |
| Angehobene Dachsteine mit Sturmklammern von innen sichern | wenn der Marder sich den Zugang selbst geschaffen hat | Dachdecker |
| Dämmung teilweise erneuern, oft als Einblasdämmung | sobald das Material zerwühlt oder durchnässt ist | Dachdecker |
| Unterdeckbahn und Dampfbremse zusammen ersetzen | sobald sie aufgebissen oder zerrissen sind | Dachdecker |
| Gebälk prüfen und trocknen, im Ernstfall Holz tauschen | nur bei länger unbemerktem Wassereintritt | Dachdecker mit Zimmerer |
Die ersten drei Zeilen fallen immer an, die letzte fast nie. Genau daran entscheidet sich, ob die Rechnung dreistellig oder vierstellig wird. Wer die Dämmung ohnehin erneuern will, sollte den Anlass nutzen und beides zusammenlegen, dann fällt das Gerüst nur einmal an. Was dabei an Förderung möglich ist, steht im Beitrag zur Dachdämmung und Förderung 2026.
Marderschaden am Dach und die Versicherung: Biss oder Wühlspur
Hier liegt der teuerste Irrtum, und er hat nichts mit der Höhe des Schadens zu tun, sondern mit einzelnen Wörtern in den Bedingungen. Drei Punkte entscheiden darüber, ob Sie Geld sehen.
Erstens: Die Kfz-Teilkaskoversicherung, die Marderbisse am Auto deckt, hat mit dem Haus nichts zu tun. Für das Gebäude ist die Wohngebäudeversicherung zuständig, und dort ist der Marderschaden kein Standard, sondern ein Zusatzbaustein, der eingeschlossen sein muss.
Wie streng das gehandhabt wird, zeigt ein Beschluss des Oberlandesgerichts Brandenburg vom 17. Juni 2025 (Az. 11 U 2/25). Ein Eigentümer verlangte trotz Premium-Deckung und eindeutiger Kratzspuren am Gebälk die Kosten einer Dachsanierung. Er verlor in beiden Instanzen.
Die Begründung ist für jeden Schadensfall wichtig: Kot und Kratzspuren belegen nur, dass ein Tier da war. Wer entschädigt werden will, muss darlegen, dass der Marder genau das versicherte Bauteil gebissen hat, also die Dämmung oder eine Leitung. Diese Darlegungslast liegt beim Versicherungsnehmer, nicht bei der Versicherung.
Drittens die Deckungssumme, selbst wenn der Baustein eingeschlossen ist. Ein Tarifvergleich von Verivox nennt Obergrenzen von 500 Euro bei einem Anbieter bis 25.000 Euro bei einem anderen. Das sind Höchstgrenzen der Erstattung, keine Reparaturkosten. Bei 500 Euro Obergrenze bleibt von einer Rechnung über 992 Euro die Hälfte bei Ihnen.
Praktisch heißt das: die Police vorher lesen, nicht im Schadensfall. Suchen Sie nach „Tierbiss“, „Marderbiss“ und „Folgeschäden“ und prüfen Sie, ob die Deckung nur Leitungen umfasst oder auch Dämmung, Abdichtung und Dachaufbau. Kommt es zum Schaden, gilt die Reihenfolge wie beim Sturm: erst dokumentieren, dann reparieren lassen. Wie das aussieht, steht im Beitrag zum Hagelschaden am Dach.
- Fotos machen, bevor etwas angefasst wird, und zwar von der Einstiegsstelle, dem Nest und der zerstörten Dämmung.
- Den Fachbetrieb den Schaden aufnehmen lassen, mit schriftlicher Aufstellung nach Arbeitsschritten.
- Zahnspuren und Fellreste ausdrücklich festhalten lassen, und zwar am beschädigten Bauteil selbst. Fotos von Kot und Kratzspuren belegen nach dem Beschluss des OLG Brandenburg nur die Anwesenheit des Tieres, nicht den Biss.
- Nichts reparieren, bevor die Versicherung den Schaden kennt, sonst fehlt der Nachweis.
- Die Selbstbeteiligung gegenrechnen. Bei einem Median von 992 Euro und einer Selbstbeteiligung von 500 Euro bleibt oft wenig übrig, was die Meldung überhaupt lohnt.
Der teure Fall: Marderschaden an der Dachdämmung
Die Dämmung ist das eigentliche Ziel des Tieres, weil sie warm und weich ist. Für den Eigentümer ist sie der unangenehmste Teil des Schadens, aus drei Gründen: Sie ist von innen kaum einsehbar, ihre Wirkung sinkt schleichend, und sie ist der Bereich, in dem die Versicherung am häufigsten ablehnt.
Zerwühltes Dämmmaterial lässt sich nicht zurücklegen, es hat seine Struktur verloren. Bei Zwischensparrendämmung wird der betroffene Abschnitt geöffnet und neu gefüllt, häufig als Einblasdämmung. Ist Feuchtigkeit dazugekommen, muss der Aufbau erst trocknen, sonst wird aus dem Marderschaden ein Schimmelschaden. Diese Trocknungszeit ist der Grund, warum sich die Reparatur über Wochen zieht, obwohl die Arbeit an einem Tag getan wäre.
Was erlaubt ist: aussperren statt vertreiben
Der Steinmarder steht nicht unter Artenschutz, er ist jagdbares Wild. Das entscheidet, was Sie selbst tun dürfen, und die verbreitete Auskunft dazu ist falsch.
Töten darf ihn nur, wer einen Jagdschein oder die nötige Sachkunde hat. Beim Einfangen ist die Lage anders: In Sachsen und Sachsen-Anhalt nennen die Landesjagdgesetze den Steinmarder beim Namen und erlauben dem Grundstückseigentümer das Einfangen auch ohne Jagdschein. In anderen Ländern braucht es dafür eine Gestattung der Jagdbehörde.
Praktisch spielt das für die meisten Hausbesitzer keine Rolle. Ein gefangenes Tier muss anschließend versorgt oder getötet werden, und beides ist nichts für Laien. Der Weg, der wirklich hilft, ist ohnehin ein anderer: dem Marder den Zugang nehmen. Zulässig ist dafür immer das Vergrämen, also das Verdrängen über Licht, Geräusch und Geruch, und danach das dauerhafte Verschließen.
Wer den Zugang nicht schließt, bezahlt die Reparatur zweimal.
- Alle Zugänge finden, nicht nur den offensichtlichen. Ein Marder passt durch Lücken von wenigen Zentimetern, typisch an Traufe, Ortgang, First und dort, wo Dachflächen aufeinandertreffen.
- Angehobene Dachsteine sichern. Der Marder braucht keine vorhandene Lücke, er schafft sich eine: Er hebt einzelne Dachsteine an und schlüpft darunter durch. Fachbetriebe setzen deshalb im Dachstuhl von innen Sturmklammern, die die Steine festhalten.
- Erst vergrämen, dann verschließen. In der Aufzuchtzeit würde sonst ein Jungtier eingemauert, was für Sie zu Geruch und einem zweiten Schaden führt.
- Fachgerecht verschließen, mit Blech oder engmaschigem Gitter statt Bauschaum. Schaum wird aufgebissen.
- Dämmung, Unterdeckbahn und Dampfbremse zusammen erneuern, nicht nur nachstopfen. Wird eine der drei Schichten übersehen, bleibt der Bauschaden.
- Nach einigen Wochen nachkontrollieren, ob ein übersehener Zugang wieder genutzt wird.
Wenn das Dach ohnehin in die Jahre gekommen ist, ist der Marder oft nur der Anlass, der eine fällige Arbeit sichtbar macht. Was eine vollständige Erneuerung kostet, steht im Beitrag zur Dachsanierung, und woran Sie einen verlässlichen Betrieb erkennen, im Ratgeber zum guten Dachdeckerbetrieb.
Zur Methodik
Grundlage der Kostenzahlen sind 33 abgerechnete Reparaturaufträge von Privatkunden aus 11 Dachdeckerbetrieben, die über die Handly-Plattform abgewickelt wurden, Stand 6. August 2026. Gezählt wurden ausschließlich Aufträge der Art „Reparatur und Abdichtung“, die abgeschlossen oder bezahlt sind, also keine Angebote und keine laufenden Vorgänge. Die Beträge sind Bruttobeträge inklusive Umsatzsteuer, also das, was der Kunde zahlt. Die Auswertung umfasst alle Reparaturanlässe, nicht nur Marderschäden: Marderarbeit ist mit 3 von 164 abgerechneten Rechnungen und 2 von 774 vorgelegten Angeboten zu selten für eine eigene Kennzahl. Die Basis ist klein, einzelne neue Aufträge können den Median verschieben. Alle Angaben sind aggregiert, ohne Einzeldaten und ohne Betriebsnamen.
Häufige Fragen
Was der Text oben nicht beantwortet hat:
Hilft Ultraschall gegen Marder im Dach?
Nicht dauerhaft. Eine wissenschaftlich belegte Wirkung gibt es nicht, und Marder gewöhnen sich an gleichbleibende Geräusche. Der ADAC bewertet Ultraschallgeräte in seinem Methodenvergleich als mittelmäßig mit variabler Wirkung, das Abdichten der Zugänge dagegen als sehr gut und als die dauerhafte Lösung. Geräte können das Verschließen begleiten, ersetzen es aber nicht.
Was fressen Marder auf dem Dachboden?
Dort fressen sie nichts vom Haus, sie nutzen den Dachboden als Quartier und schleppen Beute hinein. Steinmarder sind Allesfresser: Mäuse, Vögel und Eier, dazu Obst und Abfälle. Was Dachdecker vorfinden, sind die Reste davon, im Sommer erkennbar an Fliegen. Die Schäden am Dach entstehen also nicht beim Fressen, sondern beim Nestbau und auf dem Weg hinein.
Zahlt die Versicherung auch das Vertreiben und das Verschließen der Zugänge?
In der Regel nicht. Versichert ist der Schaden, nicht die Vorsorge. Die Kosten für Schädlingsbekämpfer, Abwehrgeräte und das Abdichten trägt meist der Eigentümer selbst. Einzelne Tarife bieten dafür eigene Bausteine an, deshalb lohnt der Blick in die Bedingungen, bevor Sie jemanden beauftragen.
Woran erkenne ich, dass der Marder wieder weg ist?
An mehreren ruhigen Nächten hintereinander und daran, dass an der Einstiegsstelle keine frischen Spuren auftauchen. Ein einfacher Test ist eine dünne Schicht Mehl oder Sand davor: Bleibt sie zwei bis drei Nächte unberührt, ist das Tier ausgezogen. Erst dann verschließen, und nie während der Aufzuchtzeit im Frühjahr.
Wer zahlt den Marderschaden in einer Mietwohnung?
Für die Instandhaltung des Gebäudes ist der Vermieter zuständig, er meldet den Schaden seiner Wohngebäudeversicherung. Mieter müssen den Befall früh anzeigen, sonst haften sie für die Verschlimmerung. Beschädigtes Eigentum des Mieters fällt unter dessen Hausratversicherung, sofern sie Tierschäden einschließt.
Marderschaden am Dach? Fachbetrieb finden.
Unverbindliche Angebote von geprüften Dachdeckerbetrieben aus Ihrer Region.
Kostenloses Angebot anfordern- Sächsisches Jagdgesetz, § 8 Abs. 3 (Steinmarder namentlich, Fangen ohne Jagdschein)
- Landesjagdgesetz Sachsen-Anhalt, § 8 Abs. 2 (Vertreiben und Einfangen durch Eigentümer)
- OLG Brandenburg, Beschluss vom 17.06.2025, Az. 11 U 2/25 (Nachweis des Bissschadens, Vorinstanz LG Frankfurt/Oder, Az. 15 O 17/24)
- ADAC: Marderschaden am Haus und Auto (Kostenangaben)
- ADAC: Marder vertreiben, so schützen Sie Dach und Garten (Methodenvergleich, Stand 15.07.2026)
- Verivox: Zahlt die Wohngebäudeversicherung bei Marderschäden? (Deckungssummen im Tarifvergleich)
- Landesjägerschaft Bremen: Marder, was tun? (Vergrämen)
- Handly: eigene Auswertung von 33 abgerechneten Reparaturaufträgen und 774 vorgelegten Angeboten (aggregiert, ohne Einzeldaten), Stand 6. August 2026




